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Spiritualität beseelt den Klang: Rhein-Main-Ensemble spielt geistliche Musik in der Auferstehungsgemeinde in Mainz

 
Mainzer Allgemeine Zeitung 08.11.2016
 

Von Manuel Wenda

 

MAINZ - 90 Minuten mit geistlicher Musik vergangener Jahrhunderte und der Gegenwart, gepaart mit großen Klavierstücken: In der evangelischen Auferstehungsgemeinde war das Rhein-Main-Ensemble zu Gast. Der Leiter des Kammerchors Jonathan Hofmann wandte sich an die zahlreichen Zuhörer: „Wir sind begeistert, wie viele Leute da sind“. Das Kommen hatte sich gelohnt.

 

Zunächst erklang „Lasset uns den Herren preisen“ von Max Reger. Der Gesang des Chores erfüllte die Kirche. Charles V. Standfords „Beati quorum via“ ist von großer Tiefgründigkeit, welche das Rhein-Main-Ensemble eindrucksvoll zu vermitteln wusste.

Spannend gerieten Gegenüberstellungen von Werken aus Renaissance, Barock, Romantik und Gegenwart. Auf „All People Clap Your Hands“ von Thomas Weelkes folgte Gustav Mahlers „Urlicht“ in einer Bearbeitung Clytus Gottwalds; die beseelende Spiritualität brachte unterschiedliche Klangbilder hervor, sie war Erschütterungen ausgesetzt, blieb aber letzten Endes über die Jahrhunderte ungebrochen. Die Kirchen mögen sich in einer Krise befinden; im Bereich der geistlichen Musik hingegen gibt es aufregende Entwicklungen, welche in der Vergangenheit wurzeln und neue Wege aufzeigen.

 

Anmutig heller Monteverdi, romantischer Rheinberger

 

Drei Kyrie-Vertonungen folgten aufeinander: Aus Claudio Monteverdis Missa in illo tempore, Josef Gabriel Rheinbergs Missa brevis in F und Frank Martins Messe für Doppelchor. Anmutig und hell klang Monteverdi, der romantische Ansatz Rheinbergers wurde deutlich, Martins Kyrie ragte heraus: Musikalisch aufs Feinste ausbalanciert, entfaltete sich die mystische Kraft dieser Komposition. Martin war ein musikalischer Einzelgänger, der zu Einsichten eigener Art gelangte.

 

Den Gegenpart zum Gesang bildete der Pianist Lukas Rommelspacher: Flirrende Impressionen beschwor Igor Stravinskys Klaviersonate von 1924, Rommelspacher vermochte auch ihren tänzerischen Charakter hervorzuheben. Vier Fantasiestücke Robert Schumanns zeugten von großer innerer Bewegtheit. Albert Beckers „Ich hebe meine Augen auf“ und Rheinbergers „Abendlied“ beendeten das Programm.

 

 

 

 

Adventlicher Schimmer

 
Mainzer Allgemeine Zeitung 02.12.2015
 
Von René Welter

 

KONZERT Junges Rhein Main Ensemble mit festlichen Motetten aus Barock und Romantik

 

MAINZ - „A capella ist wie Seiltanzen“, sagt Jonathan Hofmann. „Wenn etwas schiefgeht, ist da nichts mehr, das dich hält.“

Gefallen ist er nicht an diesem Abend; mit minutenlangem Applaus wird das Rhein Main Ensemble von den gut 100 Zuhörern aus der evangelischen Auferstehungsgemeinde getragen.

 

Mit Bläserklang

 

Unter dem Titel „Sehet, welch eine Liebe“ spannten Bläser und Kammerchor des Anfang 2012 gegründeten, selbstfinanzierten Ensembles (dirigiert von Chorleiter Jonathan Hofmann) einen epochenübergreifenden Bogen. Während die Bläser vor allem mit kurzen zeitgenössischen Arrangements überzeugen, zeigen die 21 Sängerinnen und Sänger des Chores mit Werken von Thomas Tallis (1505-1585), Heinrich Schütz (1585-1672), Gottfried Homilius (1714-1785), Johannes Brahms (1833-1897), Albert Becker (1834-1899) und dem erst 1943 geborenen Morten Lauridsen die klangliche Vielfalt weihnachtlicher Motetten – besonders aus Barock und Romantik. Die Dynamik des adventlichen Themas mit der intensiven Darstellung von Wort und Gefühl musikalisch fassbar machen, das wolle er, sagt Hofmann. Den Spagat aus kollektiver wie individueller Beschäftigung mit dem Werk fordere er von seinen Musikern. „Nur so kann Musik begeistern.“

 

Werke im Vergleich

 

Gelungen ist es dem jungen, 1985 in Mainz geborenen Dirigenten zweifellos. Auch die geschickten Gegenüberstellungen einzelner Werke überzeugen auf ganzer Linie – wie beispielsweise bei dem getragenen „O nata lux“, das einmal von Tallis, einmal von Lauridsen interpretiert wird. Beim mit unglaublichem Timbre gesungenen Lauridsen strahlt der homogene Klang des Kammerchores besonders hell hervor, der dem Ensemble bereits 2013 auf Anhieb den 2. Platz beim Landeschorwettbewerb Rheinland-Pfalz bescherte.

 

Es bleibt zu wünschen, dass diesem Auftritt noch viele weitere folgen werden.

 

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